Kinder- und Jugendhilfe

Mit Vertrauen groß werden

"Vertrau mir! Ich werde groß." Diesen Satz müssen Kinder, in unseren Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe erst lernen. Denn wir betreuen auch delinquente Kinder, straffällige Jugendliche, psychisch auffällige Kinder und Jugendliche sowie Jungen und Mädchen mit Gewalt- und Missbrauchs­erfahrungen.

Unter dem Leitsatz Menschen statt Mauern werden straffällige Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren zur Vermeidung von Untersuchungshaft auf richterlichen Beschluss stadtfern in unseren Jugendhilfeeinrichtungen, wie etwa in "Frostenwalde" in der Uckermark/Brandenburg, untergebracht. Hier erarbeiten Betreuer mit Hilfe diagnostischer Klärung, Begutachtung und Therapie gemeinsam mit den Jugendlichen individuelle Konzepte für ein straffreies Leben und bereiten sie auf ihre Gerichtsverhandlungen vor. Mit Nachsorgeangeboten begleiten wir die Jugendlichen auch nach dem Prozess. Außer in Frostenwalde wurde unser Ansatz "Menschen statt Mauern" auch im thüringischen "Röttersdorf" sowie im bayerischen "Gut Blumenthal" zu einem Erfolgskonzept.

Gemäß dem Grundsatz "Erziehen statt Strafen" bietet die Integrationshilfe seit 1981 in Berlin ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz für straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende an. Diese umfassen sowohl differenzierte Maßnahmen gegen Gewalt als auch Betreuungshilfen, Beratungen, Verkehrserziehungskurse sowie den Täter-Opfer-Ausgleich.

Zudem helfen wir Kindern unter 14 Jahren, die zum Teil ein hohes Gewaltpotential aufweisen, die ent­wurzelt sind, suchtgefährdet oder haltlos auf der Straße leben, und die trotz Sanktionen und pädagogischer Einflussnahme kein Rechtsbewusstsein entwickeln (delinquente Kinder), mit einem breiten Angebots­spektrum in verschiedenen Bundesländern. Durch sozialtherapeutische und pädagogische Arbeit in Gruppen- und Einzelgesprächen lernen die Kinder den aggressionsfreien Umgang und fassen neues Vertrauen.

Psychisch auffälligen Jungen und Mädchen unterbreiten wir u.a. mit dem "Haus am See" in Julienwalde in der Uckermark ein Hilfsangebot. Durch die Betreuung in Kleingruppen, spezielle Schulprojekte und vor allem die intensive psychologisch-therapeutische Begleitung, auch in Verbindung mit den Eltern, können Kinder zur Ruhe kommen, Vertrauen schöpfen und Verantwortung für das eigene Leben übernehmen.

Mit zahlreichen stationären und ambulanten Angeboten richtet sich EJF-Lazarus an Mädchen und Frauen, die Opfer von sexueller, seelischer oder anderer Gewalt wurden. In unserer Einrichtung "Myrrha" (Teil des "KJHV Süd") bieten wir ihnen stationäre Betreuung in sozial­therapeutischen Mädchenwohngruppen und betreutes Einzelwohnen an. Mit der Berliner Einrichtung "Male" (Teil des "KJHV Süd") bietet EJF-Lazarus im Missbrauchsbereich ein Pendant für Jungen und junge Männer.

Die tägliche pädagogische Arbeit im Kinder- und Jugendhilfeverbund "Eva Laube" in Potsdam, der sich auch um psychisch erkrankte und sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche kümmert, ist darauf ausgerichtet, die Persönlichkeit der Betreuten zu stärken.

Auch in Sachsen-Anhalt stehen wir mit unserem "Kinder- und Jugendhilfeverbund Wartenburg/ Wittenberg/ Bitterfeld" Kindern, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihrer Familie wohnen möchten oder können, mit differenzierten Angeboten zur Verfügung.
Im Kinder- und Jugenddorf "Schloss Wartenburg" können sie sich an einem neutralen Ort, fern von Missbrauch, Gewalt und häuslichen Konflikten, weiterentwickeln. Zu den heilpädagogischen Angeboten gehören autogenes Training, Entspannungs- sowie Konzentrations­übungen. In stationären Gruppen betreuen wir Kinder und Jugendliche rund um die Uhr. Hier vermitteln wir ihnen lebenspraktische Fähigkeiten, die ihnen helfen sollen, später ein selbständiges Leben zu führen. Die Arbeit in der Fünf-Tage-Gruppe widmet sich Kindern und Jugendlichen, die sich der Schule verweigern oder deren Behinderung an der Grenze zwischen Lernbehinderung und geistiger Behinderung liegt. Die Wochenenden verbringen die Betreuten in ihren Familien. Denn einen wichtigen Schwerpunkt unserer Anstrengungen mit Kindern und Jugendlichen sehen wir darin, durch unsere Arbeit, eine Versöhnung mit den Eltern herbeizuführen und damit die Entwicklung zu vertrauens- und verantwortungsvollen Persönlichkeiten in die Wege zu leiten.