Pressemitteilung zum Jubiläum und zur Geschichte des Hauses

Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung "Schloss Wartenburg" begeht 60-jähriges Jubiläum

Wartenburg. Mit einem Festakt begeht die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung "Schloss Wartenburg" des diakonischen Trägers EJF-Lazarus am Sonnabend, 16. Juni, ihr 60-jähriges Jubiläum. Als Ehrengäste werden der Bundespolitische Beobachter im Ministerium für Gesundheit und Soziales der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Eberhard von Reuter, der 2. Beigeordnete des Landrates im Landkreis Wittenberg, Deddo Lehmann, sowie der Wartenburger Bürgermeister Rolf Klopotowski erwartet. Kinder und Jugendliche der Einrichtung wollen während der Feierstunde einiges über die Geschichte ihres Schlosses vortragen.

Um 10.00 Uhr wird das Fest vom Vorstandsmitglied der diakonischen EJF-Lazarus Gesellschaft, Hans-Uwe Stephan, und der Leiterin der Einrichtung, Ramona Kula, eröffnet. Ab 11.30 Uhr ist ein buntes Spiel- und Unterhaltungsprogramm im Schloss und im Schlossgarten vorgesehen. Zudem erhalten Besucher die Möglichkeit, eine Ausstellung über die Schloss-Geschichte sowie die einzelnen Gruppen der Jugendhilfe-Einrichtung im Schloss und die heilpädagogisch-integrativen Gruppen "Haus am Wald" und "Haus an den Eichen" zu besichtigen. Das Schlossfest ist in jedem Jahr ein Höhepunkt im Leben des sachsen- anhaltischen Dorfes Wartenburg bei Wittenberg.

Im Schloss sowie in zwei weiteren Häusern im Ort werden derzeit insgesamt 50 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren betreut. Manche von ihnen können oder wollen aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihren Familien leben, andere weisen Lern- oder Verhaltensstörungen auf. In Wartenburg leben sie in familienähnlichen Gruppen. Die Kinder und Jungendlichen, die in der Einrichtung leben, sind fest in die Dorfgemeinschaft integriert.

Der Grundstein für das Schloss im damaligen Rittergut Wartenburg war 1663 gelegt worden. 1769 kaufte es Baron von Hohenthal. In der Zeit der Befreiungskriege wurde der Ort durch die "Schlacht von Wartenburg" am 3. Oktober 1813 bekannt, bei der ein Armeekorps des preußischen Feldmarschalls Blücher Napoleons Armee zwang, den Übergang über die Elbe frei zu geben. Dies war die Voraussetzung für den späteren Sieg der verbündeten Truppen über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig. Schloss Wartenburg war für drei Tage Anfang Oktober 1813 Hauptquartier der Verbündeten. Hier hielten sich u.a. Feldmarschall Blücher, die Generäle Gneisenau und York sowie Kronprinz Wilhelm von Preußen auf.

Graf Peter von Hohenthal erwarb das Anwesen 1920 von seinem Bruder. 1921 wurde ein Flügel des ursprünglich als Karree angelegten Bauwerks abgerissen. Zum Ende des Zweiten Weltkrieg musste die Grafenfamilie vor der Roten Armee fliehen. 1946 wurde das Schloss von der sowjetischen Besatzungsmacht verstaatlicht. Der Präsident der damaligen Provinz Sachsen verfügte, in dem Gebäude ein Erziehungsheim einzurichten. Zunächst wurden hier ab Januar 1947 vor allem Kriegswaisen und Flüchtlingskinder betreut, die ihre Eltern verloren hatten. Zugleich wurden in das Heim von Anfang an so genannte "erziehungsschwierige Kinder" eingewiesen. Sofort wurde auch eine Heimschule eingerichtet. Damals lebten 90 Kinder in drei Gruppen in dem Heim. Sie wurden von vier Erziehern betreut. Zwei ständige Lehrer und zwei Wanderlehrer sorgten für die Bildung der Kinder.

Mitte der 50-er Jahre wurde die Einrichtung in ein "Heim für schwererziehbare Hilfsschüler" umgewandelt. Seit jener Zeit lebten gab es dort nur noch 60 Plätze in drei Gruppen, sechs Erzieher und eine eigenständige Heimschule. 1952 diente der Säulensaal des Schlosses als Schlafraum für 20 Kinder. Zu DDR-Zeiten trug das Kinderheim den Namen des kommunistischen Widerstandskämpfers Walter Husemann (1909 - 1943).

Nach der Wende wurde das Kinderheim im Schloss zunächst von der Gemeinde Wartenburg getragen. 1994 übernahm das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk die Trägerschaft über die Einrichtung. Zugleich kamen noch zwei weitere Gebäude, das ehemalige Landambulatorium und die Kinderkrippe zum Kinder- und Jugendhilfeverbund Schloss Wartenburg hinzu. Der Sohn des früheren Schloss-Besitzers Peter von Hohenthal lebt inzwischen wieder in Wartenburg und ist häufiger Gast in der Jugendhilfeeinrichtung. 

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Heiko Krebs, EJF-Lazarus gAG, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 030 84 38 89 78.

056/13.06.2007


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