Migration und Flüchtlingshilfe im EJF

Allgemeines

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Wer politisch verfolgt ist und eindeutig nachweisen kann, dass er ohne Umweg über ein anderes Land direkt nach Deutschland geflohen ist, bekommt ein Aufenthaltsrecht in Deutschland. Wem wegen Rasse, Religion oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe in seinem Heimatland Gefahr droht und dessen Fluchtweg nicht nachweisbar ist, der bekommt nach der Genfer Flüchtlingskonvention ebenfalls ein Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Beide Gruppen haben den gleichen Schutzstatus. Faktisch sind Asylbewerber und Flüchtlinge dasselbe.

Nicht anerkannt wird, wer aus wirtschaftlichen Gründen seine Heimat verlässt.

Wer über einen sicheren Drittstaat einreist (z.B. Italien) dessen Antrag wird ohne Prüfung abgelehnt und er wird in das erste sichere Ankunftsland in Europa zurückgeschickt (Ausnahme seit dem 21. August 2015: Syrische Staatsangehörige, bei denen das Dublin-Verfahren ausgesetzt wurde).

Informationen zur Residenzpflicht ...

Flüchtlinge in Deutschland

Flüchtlinge in Deutschland

In den letzten Jahren sind hauptsächlich Menschen aus Krisen- und Bürgerkriegsregionen nach Deutschland geflüchtet. In der Zeit von Januar bis Juli 2015 haben insgesamt 218.221 Personen in Deutschland Asyl beantragt. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr bedeutet dies eine Erhöhung um 124,8 Prozent. Bis Ende des Jahres rechnet die Bundesregierung mit bis zu 800.000 Flüchtlingen. Die Asylsuchenden in Berlin, Brandenburg und Bayern kommen derzeit hauptsächlich aus Syrien, Ägypten, Eritrea, Vietnam, Afghanistan, Pakistan, Irak, Iran, verschiedenen GUS- und Westbalkanstaaten.
Es sind Familien, einzelne Männer oder Frauen und zunehmend auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF). Sie kommen aus allen sozialen Schichten, haben ganz unterschiedliche Berufe in ihren Heimatländern ausgeübt und waren teilweise gezwungen lebensgefährliche Wege der Flucht zu beschreiten.

Den Vereinten Nationen zufolge sind weltweit derzeit rund 51 Millionen Menschen auf der Flucht. 80 bis 85% der flüchtenden Menschen bleiben in der Heimatregion, in benachbarten Staaten oder sogar im eigenen Land. (Quelle 12/2014) In Berlin beispielsweise leben derzeit 21.500 Flüchtlinge (zum Vergleich: in ganz Bayern sind es 61.843 und in Brandenburg 6.422). Nach Prognosen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kommen monatlich ca. 2.500 Menschen hinzu- mit steigender Tendenz. Wegen des schnell wachsenden Bedarfs werden in allen Bezirken neue Unterkünfte benötigt.

In der Erstaufnahmeeinrichtung erhält der Flüchtling Sachleistungen, zum Beispiel Verpflegung, Putzmittel, Kleidung. Nach 15 Monaten gibt es 352 Euro pro Monat, die Kosten für Wohnung und Heizung werden zusätzlich übernommen. Dies entspricht dem Sozialhilfegesetz.
Die Kostenträger sind in Berlin das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), oder die Bezirksämter; In Bayern und Brandenburg sind es die Landkreise oder kreisfreien Städte.

Nach Annahme des Antrags auf Asyl erhalten Flüchtlinge und Asylbewerber eine Aufenthaltserlaubnis mit einer eingeschränkten Beschäftigungserlaubnis und die Zuständigkeit/Verantwortlichkeit geht auf die Bezirke und das Jobcenter über.

Seit Ende letzten Jahres können Flüchtlinge bereits nach drei Monaten arbeiten. Allerdings darf ein Asylbewerber nur eingestellt werden, wenn es für die Stelle keinen Deutschen und keinen EU-Bürger gibt. Diese Einschränkung wird von der Arbeitsagentur geprüft und entfällt nach 6 Monaten.
Auch für Flüchtlingskinder gilt die Schulpflicht. Die Kinder werden - sofern sie die deutsche Sprache noch nicht beherrschen - zunächst in besonderen Willkommensklassen unterrichtet, die in verschiedenen Schulen eingerichtet wurden.

Unbegleitete minderjährige Ausländer

Unbegleitete minderjährige Ausländer

Ca. 90-95% der Flüchtlingskinder kommen mit ihren Eltern nach Deutschland. Die anderen gelten als „unbegleitete minderjährige Ausländer“ (UMA). Ende 2014 befanden sich bundesweit rund 7500 UMA in Obhut der Jugendämter; rund 10.500 wurden in Anschlusshilfen betreut; insgesamt befanden sich 18.000 UMF in Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Die Prognosen gehen von steigenden Zahlen aus.

Nach geltender Rechtslage ist das Jugendamt am Ort der Feststellung der Einreise verpflichtet die UMA vorläufig in Obhut zu nehmen. Es ist ihre Aufgabe, die UMA kind- bzw. jugendgerecht und umfassend versorgt unterzubringen, die Minderjährigkeit qualifiziert feststellen zu lassen, das Kindeswohl zu wahren und innerhalb von 7 Werktagen einen Vormund zu bestellen. Die landesinterne und Deutschland weite Verteilung der UMA erfolgt nach Maßgabe von Kindeswohl und Kindeswille. In einem Clearingverfahren werden Inobhutnahme und Anschlusshilfen durch das Zuweisungsjugendamt geregelt.

Der Arbeitsbereich „Migration und Flüchtlingshilfe“ beim EJF

Der Arbeitsbereich „Migration und Flüchtlingshilfe“ beim EJF

Mit seinem umfänglichen Netzwerk von ambulanten und stationären Betreuungsangeboten  ist das EJF bestens aufgestellt, um Flüchtlingen die Unterstützung und Orientierung aus einer Hand anzubieten, die sie in ihrer schwierigen Lage benötigen.

Ziel unserer Arbeit mit Flüchtlingen ist es, die vorübergehende und sichere Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen zu gewährleisten sowie sie in lebenspraktischen Alltagsangelegenheiten zu unterstützen und zu betreuen.
Für alle Einrichtungen der EJF-Flüchtlingshilfe gilt im Durchschnitt, dass neben dem Heimleiter vier Sozialarbeiter/innen und je ein Verwaltungsangestellter, Hausmeister und Kinderbetreuer tätig sind. Außerdem stehen auf Anfrage Sprachmittler in allen notwendigen Sprachen zur Verfügung. Ein Wachschutz ist rund um die Uhr vor Ort.

Generell geht es dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk bei der Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern darum, praktische und professionelle Unterstützung zu leisten. Dies geschieht selbstverständlich unter Wahrung und Berücksichtigung der nationalen, ethnischen, kulturellen und religiösen Eigenheiten und bei gleichzeitiger Beachtung ausländerrechtlicher Grenzen sowie gesetzlicher Qualitätsstandards. EJF-Mitarbeitende versuchen Flüchtlingen größtmögliche Freiheit zu verschaffen, ohne die die Chance für eine gelingende Integration in Deutschland kaum zu realisieren ist. Dabei werden sie durch engagierte ehrenamtlich arbeitende Mitbürger unterstützt.

Wer aus Angst um Leib und Leben das Land seiner Väter verlassen und sich dem Wohlwollen der Bürger eines fremden Landes ausliefern muss, ohne vertraute Menschen und in fremder Umgebung; wer der Sprache des neuen Landes nicht mächtig ist und nicht befugt, von seiner Hände Arbeit zu leben, sondern auf Transferleistungen angewiesen ist, der braucht das Gefühl willkommen zu sein. Die EJF-Mitarbeitenden tun alles, damit sich Flüchtlinge in ihrer neuen Umgebung sicher und gut aufgehoben fühlen.

2013 hatte sich das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF gemeinnützige AG) entschlossen – und entsprach damit einer Bitte der politischen Entscheidungsträger - seinen bisherigen Arbeitsfeldern die Migrations- und Flüchtlingshilfe hinzuzufügen. Das Leid und die Not derer, die sich aus ihren Ländern zu uns aufmachen, um Bürgerkrieg und politischer Verfolgung zu entfliehen, war der Anlass, einen konkreten Beitrag bei der Aufnahme, Unterbringung und Versorgung dieser Menschen in Berlin und Brandenburg zu leisten.

Ohne Ansicht der politischen Ausrichtung oder religiöser Überzeugung jedes Einzelnen, und in Erfüllung seines diakonischen Auftrags nimmt sich der soziale Träger mittlerweile hochprofessionell und sehr engagiert der genannten Zielgruppe an.



   

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